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Band III

Die Wölfin

Riesige Karenherden ziehen seit jeher durch die Steppen und Wälder von Aventuriens wildem Nordosten. Die Nivesen folgen ihnen auf ihren Wanderungen. Bunte Bänder flechten sie den Tieren ins Geweih, um anzuzeigen, welcher Stamm, welche Sippe und welche Familie Anspruch auf Horn, Fleisch, Fell und Knochen erhebt. Der ewige Weg der Karene bestimmt das Leben des Volkes.

Phileasson III: Die Wölfin

Als Phileassons Seeadler in Riva anlegt, erfährt er von einer tödlichen Seuche, die unter den Stämmen wütet. Shayas Vision deutet darauf hin, dass er die Krankheit besiegen muss, um die dritte der Aufgaben zu lösen, die ihn zum König der Meere machen sollen. Diesem Feind kann er sich nicht mit Kraft und Schwert stellen. Er ist heimtückisch, unsichtbar und durchdringt jede Rüstung. Doch das ist noch nicht alles ...

Auch vom Weg des Wolfes ist die Rede, dem zu folgen sei. Sind auch damit die Nivesen gemeint, die auf besondere Weise mit den Wölfen verbunden sind? Nicht nur wachen die Sterne über sie, in denen sie die funkelnden Augen der Himmelswölfe erkennen. Ihre Schamanen heulen mit den Kindern der Nacht, wenn sie mit rasselnden Keulen die Geister herbeirufen. Und seltsame Geschöpfe leben unter den Nivesen ...

Klar ist Phileasson nur eines: Es geht in die Wildnis! Hier wird seine Seemanskunst ihm nicht helfen, er begibt sich auf unbekannten Grund.

Erst, als Phileasson der Wölfin begegnet, ahnt er, welche Aufgabe wirklich auf ihn wartet.

Beorn kämpft derweil an einem anderen Ort nicht nur um den Sieg, sondern auch um sein Leben und das seiner Ottajasko. Der Blender sieht sich einer Finsternis gegenüber, deren Schatten nie wieder von seiner Seele weichen kann.


DIE WÖLFIN-Leserunde

Die Leserunde zu Die Wölfin ging am 23. Dezember 2016 auf Plünderfahrt nach Lebkuchen und Spekulatius.


Aus dem Schaffensprozess

Bernhard Hennen

Der dritte Band der Phileasson-Saga barg neue Herausforderungen. Viel mehr als in den ersten beiden ging es mir darum, die Grenzen des vor einem Vierteljahrhundert geschriebenen Abenteuers weiter zu stecken. Beorn sollte in Bereiche vorstoßen, über die noch nichts zu lesen war. Er sieht die Tiefen Städte der Nachtalben, die sich unter Glaskuppeln am Meeresboden erheben. Er lernt das düstere Elfenvolk, das dort lebt, besser kennen, als ihm lieb ist. Und natürlich kommt Pardona ins Spiel, die Herrscherin des Himmelsturms.

Bernhard Hennen

Eine Figur glaubhaft werden zu lassen, deren Leben nach Jahrhunderten zählt, ist kein leichtes Unterfangen. Auf pompöse Auftritte habe ich weitestgehend verzichtet. Sie braucht das nicht, um zu erreichen, was sie will. Doch werde ich hier nicht spoilern …

Robert sah sich übrigens vor eine ähnliche Herausforderung gestellt, als er die Elfe Niamh einführte. Auch sie ist eine Überlebende eines längst vergangenen Zeitalters und die Gebieterin über einen magischen Ort, der sich vom Himmelsturm unterscheidet, wie sich Licht von Schatten unterscheidet.

Beorn versucht diesmal nicht, mit Phileasson gleichzuziehen. Sein Weg führt ins Totenmoor und zu einer ganz eigenen Queste, die nichts mit den Aufgaben der Wettfahrt zu tun hat, dafür aber ein weiteres Puzzlestück über die Geschichte des Untergangs der Elfenhochkultur liefert.

Während wir am dritten Band arbeiteten, erreichte uns das erste Feedback zu Nordwärts, dem Auftaktroman der Serie – und es hat Spuren hinterlassen. Auf vielfachen Wunsch singt Ohm Follker nun öfter 😊. Und sollte das jemandem nicht gefallen: Melden Sie sich laut und nachhaltig, denn Ihre Kritiken haben Einfluss darauf, wie es mit der Saga weitergeht.

Natürlich werden wir Phileasson nicht zum Schurken umdichten oder Beorn zum Chorknaben, aber verlassen Sie sich darauf, dass sie beide auch in diesem Abenteuer neue Facetten zeigen …

Robert Corvus

Einer der augenfälligsten Unterschiede zwischen Himmelsturm und Die Wölfin besteht in der Vielzahl der Schauplätze. Während der Hauptteil von Himmelsturm nahezu vollständig in einem Gebäude spielt, begleitet der Leser die Protagonisten in Die Wölfin viele hundert Meilen durch den Norden Aventuriens.

Robert Corvus

Auch die Art der Schauplätze und Begegnungen ist unterschiedlich. Als Autor konnte ich Phileassons Ottajasko die Erleichterung nachfühlen, als die Recken endlich Riva erreichen. Eine Stadt, sogar eine bedeutende, und noch dazu eine, die gerade vor Besuchern einer Warenschau überquillt – was für eine Erlösung nach der Einöde des ewigen Eises, nach der mondelangen Reise durch die Wildnis! Seit Olport trifft man hier erstmals wieder auf Zivilisation, kann eine Schwitzhütte genießen und den Umgang mit anderen Menschen pflegen.

Phileassons und Beorns Route im dritten Roman

Der Himmelsturm Die Insel der Schneeschrate Knorren Arjolfsspitze Riva Tenjos Gerasim Rabenpass Norburg Silvanden Fae'Den Karen Totenmoor Festum

Dann aber geht es erneut hinaus ins Abenteuer: in die Lande der Nivesen, die den Wölfen verbunden sind und den Karenherden folgen. Zu einer Stadt, die wie kaum eine andere in Aventurien für eine gelungene Utopie steht. Durch dichte Wälder. Über einen Gebirgspass. Ins Bornlad, wo die Bronnjaren mit harter Hand über ihre Leibeigenen herrschen …

Was für eine wunderbare, abwechslungsreiche Reise! Sicher ist es auch der Faszination für die verschiedenen Schauplätze geschuldet, dass der Text Überlänge bekam.

Und nicht weniger interessant sind die vielgestaltigen Begegnungen. Da sind Elfen – solche, die der Natur verbunden sind, andere die mit Menschen zusammenleben, und natürlich die eine, die ganz besondere, die sich ihre eigene Welt schafft … die Nivesen mit ihrer in mehrfacher Hinsicher einmaligen Tradition … die Städter, nicht nur in Riva, sondern auch in Norburg oder Festum, die letztlich nur ein bürgerliches Leben wollen. Die Wölfin ist wohl derjenige unter den ersten drei Romanen, in denen die Welt Aventurien in ihrer Vielfalt, aber auch ihrer Dichte besonders greifbar wird.

Das gilt auch auf einer anderen Ebene. Während Nordwärts und vor allem Himmelsturm Schauplätze behandeln, die nahezu exklusiv aus der Phileasson-Saga bekannt (und im Rollenspiel bespielt) sind, bietet Die Wölfin Raum für Anknüpfungspunkte zu anderem Material aus der Welt des schwarzen Auges. Seien es Romane, die bereits bei den Nivesen angesiedelt sind, oder Abenteuer, die den Rabenpass thematisieren oder die Elfen-Menschen-Siedlung Gerasim en detail beschreiben. Auch eine kleine Reminiszenz zu meinem ersten Roman für Das schwarze Auge, Todesstille, war möglich, spielt dieser doch im Bornland. Natürlich war das über den Hintergrund der Figur Praioslob bereits vorbereitet.

Bei Die Wölfin habe ich auch erstmals den Prolog beigesteuert. Ich habe mich für einen anderen Ansatz entschieden als Bernhard in den ersten beiden Bänden, ging es mir doch darum, den Lebenslauf einer Figur bis zum Beginn der Handlung darzustellen. Wegen dieses Themas durfte ich mich nicht auf eine einzelne Episode, eine klar umrissene Novelle zu einem spannenden Ereignis, beschränken. Ich wollte Schlaglichter bringen – mehrere Vignetten aus dem Leben dieser Figur. Auch das hat mir viel Freude gemacht, komme ich doch sonst nur noch selten dazu, Kurztexte zu verfassen.

Unvergessen in der Zusammenarbeit bleibt die Diskussion, die wir über romantische (oder schmalzige?) Liebesschwüre und niedliche (oder kitschige?) Feen führten. Für Interessierte ist diese auf Video dokumentiert:

Eine besonders erfreuliche Nachricht erreichte uns während der Arbeit an Die Wölfin: Inzwischen lagen die Verkaufszahlen zu Nordwärts vor, der Buchmarkt reagierte freundlich auf unser Projekt, und der Heyne Verlag konnte die nächste Tranche der Finanzierung freigeben. Damit war klar, dass nach Die Wölfin noch wenigstens drei Bände um die größte Abenteuerfahrt Aventuriens folgen würden – und selbst der Skeptiker, der Robert manchmal sein kann, erachtete eine Realisierung von sagenhaften zwölf Bänden nun für möglich.


Himmelsturm

Silberflamme