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Band X

Im Westen hinter den Nebeln liegen Inseln,
die nicht den Schutz der Zwölf kennen.
Dort leben die Erben derer,
deren versunkene Pracht ihr schauen durftet;
und der Bruder vergießt das Blut des Bruders,
denn es gibt keinen, der von allen anerkannt wird,
solange der eine noch lebt, der zur Legende wurde.
Der Tod wird in eurer Mitte wüten,
und es ist gut so,
denn nur durch die zweite Geburt
des königlichen Gefährten
werdet ihr erfahren,
wo der hohe König gefangen gehalten wird.
Der Weg zurück
führt über den Rand eines Kessels,
den die Lebenden eine Nacht
vor den Krallen des alten Feindes schützen müssen.
Ihr braucht die Macht
eines alten und des jungen Weisen,
den Weg zu finden und das Ritual zu vollenden.
Achtet gut auf das verzauberte Holz,
das euch den Weg durch den Nebel gewiesen hat,
denn nur mit seiner Hilfe
werdet ihr den Weg zurück in eure Welt finden.

Nebelinseln


angekündigt für 10. Januar 2022


Inzwischen kennt jeder auf den Inseln im Nebel Beorns Namen. Die Elfen nennen ihn den Städtezerstörer, die Alten mit Furcht, die Wilden mit Bewunderung. Der Thorwaler erstürmt eine Stadt nach der anderen, raubt ihre Schätze und lässt sie brennend zurück. Beständig wächst sein Hort aus Elfengold.

Phileasson X: Nebelinseln

Doch die Clans der Alten schließen sich gegen diese Bedrohung zusammen. Neue Galeassen durchpflügen den Lyr, die Artefaktschmiede richten ihre Kunst darauf, einen Vorteil gegen den Barbaren und seine Streitmacht zu erringen. Der Krieg ist kein Spiel mehr.

Als Phileasson an Bord des Zauberschiffs Taubralir den Weg durch den Nebel findet, bringt er nicht nur die Prophezeiung für die zehnte Aufgabe mit. Allen ist klar, dass der Gefährte des verschollenen Hochkönigs schon lange in seiner Ottajasko reist. Doch sein Gedächtnis ist lückenhaft. Um es wiederherzustellen, muss man einen gefährlichen Pfad beschreiten.

Dieser Weg führt vor die Augen des mächtigen Schlangenkönigs, der den Elfen eine große Insel abgetrotzt und ihnen den Kessel des Lebens gestohlen hat. Damit gelingt, woran die Elfen seit Jahrtausenden scheitern, müssen die Drachenführer zusammenarbeiten. Doch vertrauen werden sie sich niemals, und so mag das Gift ihres Gegners auch durch die Risse in ihrem Schildwall sickern …



Aus dem Schaffensprozess

Bernhard Hennen

In vielerlei Hinsicht handelt es sich bei dem zehnten Band der Saga um ein ganz besonderes Buch. Sowohl Robert als auch mir war schon sehr früh klar, dass es wahrscheinlich das umfangreichste Buch der Saga werden würde. Während ich mich nach Phileasson IX den Elfen (Schattenelfen – Die Blutkönigin) gewidmet habe, hat Robert die Zeit genutzt und bereits den zehnten Band geschrieben. So war er fast ein Jahr, bevor ich mit meiner Arbeit begonnen habe, mit seinem Teil fertig. Damit war ordentlich Druck für mich aufgebaut … Andererseits ist es stets ein guter Weg zurück in die Story, wenn ich zunächst einmal Roberts Texte bearbeite und dann mit meinem Part beginne. Anfangs lief dies reibungslos, bis die Werbung für den neuen Elfen-Roman (locker ein Halbtagsjob) mit den finalen Szenen für den Roman zusammenfiel und ich ein neues Level von Stress erklommen habe.

Bernhard Hennen

Erstaunlich ist auch, wie gut mich Robert nach all den Jahren kennt. Ich als unerschütterlicher Optimist habe am Anfang die Prognose abgegeben: »Etwa 250 Seiten und ich bin mit meinem Stoff durch.« Und ich habe mir wirklich geglaubt, während Robert amüsiert lächelnd entgegnete: »Also 300 bis 350 Seiten.« Und jetzt ratet mal, wer recht behalten hat. 😒

Eine weitere Besonderheit lag darin, dass wir gegen Ende des Buches eine strenge Schreibregel aufgehoben haben. Üblicherweise schreibt Robert Phileasson und dessen Ottajasko und ich bin auf Beorns Seite. Am Ende haben wir jedoch die bestehenden Mannschaften durchmischt, da zwei große Aufgaben anstanden und an beiden Teile der Ottajaskos beteiligt sein sollten. So durfte ich vorübergehend Irulla meine Autorenstimme leihen und sie in mörderische Schwierigkeiten bringen, während Robert an Beorn schrieb und versuchte, aus ihm einen finsteren Schurken zu machen 😧. Natürlich konnte ich das im letzten Moment abbiegen, aber Robert konterte einen Tag vor der Abgabe mit der Idee für ein neues Ende. Hatte ich gesagt, der Stresslevel lag schon hoch …? Jetzt erreichte er neue Grenzen. Aber Robert hat auf wundersame Weise die neuen Ideen an nur einem Tag schreibend umgesetzt. Und ich muss gestehen, er hat es gut gemacht. Das neue Ende ist wesentlich spannender und dramatischer als das ursprünglich angedachte.

Robert Corvus

Nach neun Phileasson-Romanen hatte sich natürlich eine Routine eingestellt. Wir hatten eine Arbeitsweise entwickelt, die funktionierte und Ergebnisse erzielte, die bei unserer Leserschaft auf Wohlgefallen stießen.

Die Arbeit an Nebelinseln war anders – aus verschiedenen Gründen.

Bei Ulisses Spiele wurde die seit einiger Zeit geplante Sternenträger-Kampagne publikationsreif. Die Konzepte für alle sechs Abenteuer des Rollenspiels standen, wir waren in Kontakt mit den Autoren und hielten uns informiert. Die Phileasson-Saga war vor drei Jahrzehnten ebenfalls als Rollenspielkampagne gestartet, und das Thema der Sternenträger nahm Motive daraus auf. Auch hier drehte es sich um die Kultur der Hochelfen, diesmal mit Fokus auf jene Elfen, die ein fünfstrahliges, ein sternförmiges Muttermal auf der Schulter tragen. Dieses kennzeichnet sie als Persönlichkeiten, denen ein besonderes Schicksal bestimmt ist, das weite Kreise ziehen wird. Auf deren Spuren erleben die Spielerinnen und Spieler Abenteuer an Orten, die auch wir in unseren Romanen beschreiben – insbesondere im Himmelsturm.

Robert Corvus

Der Gedanke einer Verzahnung auch in die andere Richtung lag nahe: Wir wollten Motive in unseren Romanen aufnehmen, die in den Abenteuern eine Rolle spielen würden. Das hatten wir ab Band IV, Silberflamme, immer wieder getan, vor allem, was Lailaths Rolle in unserer Geschichte anging. Nun aber war die Ausarbeitung der Abenteuer so weit gediehen, dass eine größere Überschneidung möglich wurde. Vor allem steht für Band X mit Salarin ein Elf und Sternenträger im Zentrum des Prologs. Thema – das stand schon seit Jahren fest – sollte der Beginn von Salarins Suche nach den Göttern und der Historie des Elfenvolks sein.

Ich entschloss mich, dieses Thema örtlich am Ochsenwasser anzusiedeln, einem großen See, der auch ein wichtiger Schauplatz in der Kampagne werden sollte. Dazu gab es beim DreieichCon im November 2019 ein Treffen mit den Autoren der Abenteuer und der Rollenspielredaktion, in dem wir die wesentlichen Eckpunkte klärten: Welche Figuren aus der bisherigen Ausarbeitung sollten in den Romanen einen Auftritt bekommen? Wie groß sollte ihre Rolle sein? Was war uns jeweils wichtig für die Gegend rund ums Ochsenwasser?

Phileassons Route im zehnten Roman

 Drôl Brokscal Gelbsee Sumpf der Knochenlichter

Es gab wertvolle Anregungen, aber auch Weißstellen. Beides ist wichtig für einen Schriftsteller. So konnte ich schöne Motive einbauen und interessante Figuren verwenden, zugleich aber auch meine eigenen Setzungen vornehmen, um meine Geschichte zur Geltung zu bringen. Die Rollenspielautoren bekamen den Prolog parallel zum Ulisses-Fachlektorat. Einige Sachen habe ich auf ihren Rat hin geändert, etwa die Umgebung der Ruine mit dem mondsilbernen Bildnis. Und auch bei Ulisses war man zufrieden: Offenbar taugten einige der Beschreibungen, mit denen ich die Weißfläche gefüllt hatte, um ins Abenteuer übernommen zu werden.

Mit der Haupthandlung trieben wir diese Kooperation noch ein Stück weiter. Wir hatten einen ausführlichen Mailaustausch zur Figur Seltaia Sehnende-nach-der-Schwester-Lied. Da Bernhard terminlich nicht sofort die von mir geschriebenen Texte bearbeiten konnte (beim Prolog war das noch möglich gewesen), schickte ich sie mit seinem Einverständnis direkt an die Rollenspielautoren, damit diese meine Ausarbeitungen bei Interesse in ihre Arbeit einfließen lassen konnten. Das war bis anhin noch nie geschehen. Es galt die Regel: Nichts geht raus, bei dem wir nicht beide jedem einzelnen Satz unser Placet gegeben haben. Hier wirkte sich die Routine aus neun Romanen positiv aus: Schon lange hatten wir unsere Sicht auf die Saga so weit angenähert, dass wir darauf vertrauten, dass allenfalls kleinere Umarbeitungen notwendig sein würden.

Diese Kooperation mit dem Rollenspielverlag hat zwar ein wenig zusätzlichen Aufwand verursacht, war aber dessen ungeachtet ein schöner Einfluss auf den Roman.

Ein unschöner war die Coronakrise. Mit der Arbeit am Hauptstrang begann ich Anfang Februar 2020. Damals haben alle, mit denen ich über das Thema gesprochen habe, die Lage unterschätzt. Ebenso wie ich. Unsere Vergleichspunkte waren BSE, Schweine- und Vogelgrippe. Diese Krankheiten waren zum Teil ebenfalls als Pandemien eingestuft worden, hatten aber im Alltag keine Spuren hinterlassen. Anfang Februar war darauf basierend unsere Einschätzung, dass auch Corona ein bisschen im Blätterwald rauschen und ansonsten unbemerkt vorüberziehen würde.

Karneval wurde gefeiert, aber im Laufe des Februar wurde es ernster. Corona behauptete sich nicht nur in den Nachrichten, das Virus nahm immer mehr Raum in der Berichterstattung ein. Die ersten Großveranstaltungen – über 5.000 Teilnehmer – kippten.

Anfang März war es schon so weit, dass wir die Buchhandlung Drachenwinkel kontaktierten, um zu erfahren, ob die für den 6. des Monats angesetzte Vorpremiere zu Elfenkrieg stattfinden würde. Ja, sie fand statt. Wir fuhren ins Saarland, hatten ein volles Haus und einen wundervollen Abend mit Lesung, Thorwalerchor, kauflustigem Publikum und gemeinsamem Pizzaessen. Guter Dinge fuhren wir nach Hause – und ahnten nicht, dass dies vorerst das letzte Treffen sein sollte.

»Der Hammer und der Tanz« nannte man die Strategie, die man erst in Österreich und kurz darauf auch in Deutschland umsetzte. Um zum »Tanz« zu kommen – dem feinen Justieren unterschiedlicher Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu halten –, musste zunächst einmal der »Hammer« zuschlagen und »die Kurve plattklopfen«. Ohne Heilmittel oder gar Impfstoff musste das Gesundheitssystem dadurch geschützt werden, dass man Ansteckungen weitgehend vermied. Großveranstaltungen wurden abgesagt, dann mittlere, am Schluss alle Treffen von mehr als zwei Personen, die nicht im selben Haushalt wohnten. Mitte März lebten wir in einem Land, wie wir es nie gekannt hatten.

In der Folge trafen die Absagen für Conventions und Lesungen ein. Alles, wirklich alles wurde abgesagt.

Nun könnte man meinen, dass dadurch eine Menge Zeit gewonnen worden wäre und meine Arbeit am zehnten Band flott von der Hand hätte gehen müssen. Aber dem war nicht so, denn so funktioniert Kreativität nicht. Wenn man ständig Podcasts von Virologen und Ansprachen von Politikern schaut, wenn man telefonisch mit Freunden über das Thema Nummer Eins (oder das einzige noch existente Thema?) spricht, dann kreisen die Gedanken eben nicht um den Foggwulf und die Elfen der Inseln im Nebel. Dann fehlt der Fluss. Dann ist es schwer.

Hinzu kam, dass Bernhard und ich beschlossen, dass auch unsere üblichen Arbeitstreffen zu den »vermeidbaren Kontakten« zählten, die nun besser unterbleiben sollten. Ja, als Schriftsteller sitzt man ohnehin die meiste Zeit allein vor der Tastatur. Ja, es gibt eMail und Telefon und WhatsApp, und all das macht das Leben leichter. Aber wenn der persönliche Kontakt vollständig wegfällt, dann wird auch eine routinierte Zusammenarbeit schwergängiger. Wie viele Ideen haben wir in gelöster Stimmung beim Abendessen entwickelt? Wie oft haben wir an Formulierungen geknobelt, während wir sie gemeinsam auf dem Bildschirm betrachteten? Wie viele Skizzen haben wir auf Schmierpapier angefertigt, um dem anderen zu zeigen, wo der Bogenschütze steht und wie ein Segel beschaffen sein soll, um dann gemeinsam eine Beschreibung zu finden, die genau diese Bilder einfing? Quantitativ machte das einen geringen Anteil der Arbeitszeit aus, aber qualitativ haben wir bei diesen Treffen Sprünge geschafft und Knoten durchschlagen.

Bei Band X kam hinzu, dass die Handlungsebenen von Foggwulf und Blender wieder zusammenliefen. Und zwar in doppeltem Sinne.

Zum einen in Gwandual, der Stadt des Zaubers. Während ich Band X schrieb, in dem Phileasson das echte Gwandual besucht und dort die Rätsel aus der Prophezeiung löst, schrieb Bernhard gleichzeitig Beorns Aufenthalt im lebenden Bild von Gwandual, der in Band IX seinen Platz fand. Wie genau funktionieren die Muscheln, mit denen man sich vom Hafen in die Stadt versetzt? Wie können wir das Flair transportieren, das mit dem Zentrum der Artefaktbauer verbunden sein soll? Wir telefonierten viel, schickten uns halb fertige Texte zu. Es ging, aber persönliche Treffen hätten es erheblich leichter gemacht.

Und dann natürlich das Zusammentreffen der Ottajaskos an verschiedenen Stellen der Handlung. Diese Kapitel hätten wir unter anderen Rahmenbedingungen haarklein durchgesprochen und genau festgelegt, wer welche Passagen beisteuern würde. Nachdem Corona die Isolation erzwang, übersprang ich großzügig. Überall, wo Beorn und seine Getreuen auch nur in der Nähe waren, notierte ich lediglich Stichpunkte, um mit dem Schreiben dort wieder einzusetzen, wo es ausschließlich um Phileasson geht. Eine neue Arbeitsmethodik, bei der die erworbene Routine nicht anwendbar war.

Man merkt: Die Arbeit an Nebelinseln war hart. Irgendwie war sie auch ein Abenteuer – aber in diesem Fall hätte ich die bewährte Routine vorgezogen.

Die Anhänge

Wer sich das Glossar und das Dramatis Personae ausdrucken möchte, um sie immer griffbereit zu haben, wird hier fündig.

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