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Band II

Himmelsturm

In den Sagen vieler Völker von Aventuriens hohem Norden bis zu den Dschungeln im Süden taucht er auf: der Himmelsturm. Doch was ist dieses legendäre Bauwerk wirklich? Die Brücke, über die die Himmelswölfe in die Nacht gerannt sind, wie die Nivesen sagen? Ein Tor, durch das längst Vergessenes in die Welt kam, bevor es Menschen gab? Ist die Erde mit ihm am Himmelsgewölbe festgemacht?

Phileasson II: Himmelsturm

Um ihre zweite Aufgabe zu lösen, dringen Asleif Phileasson und Beorn der Blender mit ausgewählten Getreuen so weit nach Norden vor, dass selbst die Bestände der Kartothek in Thorwal von einem unbekannten und gänzlich unerforschten Land sprechen. Wer von ihnen wird das Rätsel des Himmelsturms lösen? Und welchen Preis wird er dafür zahlen?

Schnell finden die Kapitäne heraus, dass die Legenden wahr sind – aber auf eine unerwartete und finstere Weise. Die Sagas, die die Skalden in dunklen Nächten singen, übertreiben nicht. Im Gegenteil, den wahren Schrecken dieses furchtbaren Orts haben sie den Zuhörern erspart. Aber Gefahr entmutigt keinen Thorwaler vom Schlag eines Phileasson oder eines Beorn – jede Herausforderung steigert die Entschlossenheit. Schließlich kann nur ein einziger König der Meere seine Drachenschiffe durch die Orkane steuern, die Aventurien umtosen!

Auch ihre Gefährten machen überraschende Entdeckungen – vor allem die Elfen. Galandel hat nicht umsonst jahrhundertelang auf der Insel der Schneeschrate ausgeharrt, Salarins Sehnsucht nach den alten Göttern findet ein Echo und der geheimnisvolle Galayne verfolgt weiter seinen verborgenen und keinesfalls ungefährlichen Plan.


HIMMELSTURM-Leserunde

In der Himmelsturm-Leserunde diskutierte etwa ein Dutzend Leserinnen und Leser über den Roman. Wir Autoren haben das begleitet, Anmerkungen eingestreut und Fragen beantwortet. Auch im Nachhinein ist das eine spannende Lektüre, an der sich überprüfen lässt, ob das eigene Leseerlebnis einmalig ist – oder andere im jeweiligen Abschnitt des Buchs dieselben Gedanken beschäftigten.


Aus dem Schaffensprozess

Bernhard Hennen

Die Arbeit an diesem Buch werde ich so schnell nicht vergessen … Da wir parallel schreiben, tauschen wir sehr häufig Dateien aus. Meine Standardroutine besteht normalerweise darin, dass ich eine angehängte Datei zunächst einmal auf meinem Rechner speichere, bevor ich damit beginne an ihr zu arbeiten. Normalerweise …

Bernhard Hennen

Irgendwann im Laufe des Schreibens habe ich ein großes Stück Prolog ergänzt (die Arbeit von zwei Tagen), es auch brav immer wieder zwischengespeichert und die Datei schließlich geschlossen. Als ich den Text dann wieder öffnen wollte, existierte er nicht 😓 Es hat nicht lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass ich wohl in einem geöffneten E-mail Anhang geschrieben habe. Eine Erkenntnis, die mich hart an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hat, denn wie immer drückte der nächste Abgabetermin und es war natürlich keine Zeit, die etwa zwanzig verlorenen Seiten noch einmal neu zu schreiben. (Ganz zu schweigen, dass man bei so etwas stets das Gefühl hat, dass es diesmal leider nur fast so gut wie das Original geworden ist. Ich spreche da aus Erfahrung ☹ ) Auf Roberts Rat habe ich dann einen Hilferuf auf meiner Facebook-Seite gestartet, denn wer mich besser kennt, nennt mich gelegentlich einen Computerneandertaler … Und siehe da, Facebook hat geholfen! Nach etwa zwei Stunden, in denen ich Abgründe meines Rechners kennengelernt habe, von denen ich vorher nicht einmal zu albträumen gewagt hätte, befand ich mich in einem Verzeichnis für unsichtbare tmp-Dateien (sic!) und da war sie, die verlorene Datei. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Helfer, die sich an diesem verzweifelten Nachmittag bei Facebook gemeldet haben! (Ohne euch wäre das Buch zwanzig Seiten kürzer und an einer wichtigen Stelle einfach nicht rund.)

Andere bemerkenswerte Ereignisse? Robert wollte Shayas Rucksack unbedingt mit orangefarbenen Schleifen schmücken, was ich glücklicherweise verhindern konnte. (Die Randnotiz: »Das ist jetzt echt zu extrem!!!!!« führte zu Einsicht bei Robert.)

Schriftstellerisches Neuland war der Epilog. Diesen Text haben wir beide gemeinsam bei einem Arbeitstreffen verfasst. Zunächst hatten wir ein grobes Inhaltsgerüst entworfen und waren dann beide überrascht, wie schnell und harmonisch wir die Szene schreiben konnten. (Ja, gut … Robert hat geschrieben und ich habe ihn mit Textfetzen und schlauen Verbesserungsvorschlägen genervt.)


Robert Corvus

Nach dem Abschluss meines Anteils an Nordwärts war ich in der glücklichen Lage, direkt mit der Arbeit am zweiten Band der Saga fortfahren zu können. Die Vorbesprechungen hatten Bernhard und ich auf unseren Arbeitstreffen bereits abgeschlossen, der erzählerische Ansatz und die Aufteilung der Szenen war klar, ebenso, welche grobe Route Phileasson bei der Erforschung des Bauwerks nehmen würde.

Robert Corvus

An Himmelsturm hatte ich viel Freude, denn bei diesem Stoff hat für mich alles gepasst. Ich liebe die dunkle Atmosphäre dieser Geschichte, und auch der Ansatz, sie praktisch komplett in einem einzigen Gebäude spielen zu lassen, hat für mich einen besonderen Reiz. Ich mag komprimierte Schauplätze, weil sie ohne Verkrampfungen ermöglichen, die Figuren ständig miteinander interagieren zu lassen. Das hat sich schon bei Die Türme von Taladur bewährt, einer Romanreihe, die ebenfalls den Hintergrund von Das schwarze Auge nutzt und die komplett in der namensgebenden Stadt und ihrer engsten Umgebung spielt. Ganz zu schweigen von Schattenkult – eine Nacht, ein Palast, ein Sturz in die Finsternis. Dieser erzählerische Rahmen übt eine Faszination auf mich aus.

Phileassons Route im zweiten Roman

Heiligtum der alten Götter Die Insel der Schneeschrate Das Grab im Eis Der Himmelsturm

Nun also der Himmelsturm, ein Bauwerk, das Menschenhand nie errichten können, in dem Kräfte wirken, die jedes Begreifen übersteigen. Das ist schriftstellerisch besonders anspruchsvoll, weil der Leser den Eindruck braucht, dass es irgendwo dort draußen oder vielleicht auch in der unergründlichen Finsternis Erklärungen gibt, die sein Weltbild ebenso erschüttern werden wie das der Gefährten, von denen keiner Aventurien so sehen wird wie in der Zeit, bevor sein Auge erstmals auf der gigantischen Felsnadel ruhte.

Wegen unserer unterschiedlichen Arbeitstaktung konnte mein Teil des Manuskripts zu Himmelsturm eine Weile ruhen, bevor es um Bernhards Anteile ergänzt und überarbeitet wurde. Das gab mir die Gelegenheit, die Erkenntnisse aus der Überarbeitung des ersten Teils mit einzubringen – beispielsweise ersetzten wir den thorwalschen Begriff Rekker durch das vertrautere Recke. Zudem konnte ich bereits meinen Part des dritten Teils schreiben, sodass mir eine gute Verknüpfung der Saga in einigen Details möglich war. Ich bin gespannt, ob die Fans diese Anknüpfungspunkte beim ersten Lesen finden werden.

Dass der Herr der Elfen seine schützende Hand über das Volk der spitzen Ohren hält, wird niemanden verwundern. So war es auch in der gemeinsamen Überarbeitung des Manuskripts. Deswegen darf Salarin den klangvollen Beiname der-ohne-Knochen-kroch leider doch nicht tragen.

Ich erinnere mich auch an einige intensive Konsultationen der Rollenspielredaktion von Das schwarze Auge. Noch immer bin ich verblüfft über die aventurische Himmelsmechanik, bei der sich einige Sterne zwar auf festen Bahnen über den Himmel bewegen, wie die Fixsterne, aber ihren Weg nicht in einer Nacht zurücklegen, sondern in einem Jahr. Der Sklavenmarkt in Al’Anfa dagegen findet häufiger als einmal jährlich statt, da war eine unserer Quellen missverständlich (und unsere Intuition lag richtig). Dass man mit den Namenlosen Tagen in der Metropole des Südens auf ganz besondere Weise umgeht, werden wir nach seitenlangen Umarbeitungen wohl auch nie mehr vergessen.

Ich jedenfalls denke sehr gern an die Arbeit an Himmelsturm zurück. Für mich ist dieser Stoff dermaßen perfekt, dass ich selbst beginnen könnte, an einen übersinnlichen Einfluss zu glauben – als hätte Bernhard schon vor Jahrzehnten, als er die Abenteuervorlage schrieb, daran gedacht, dass er diese einmal mit mir gemeinsam adaptieren wollte.